Chronik

Als Johann Gschwandtner 1824 in Hernals als „nicht Hausgesessener" seinen Buschen aussteckte, erregte er berechtigterweise Aufsehen. Er setzte sich jedoch durch, übersiedelte alsbald in das Haus Hauptstraße 41 und erweiterte sein Lokal 1839 durch einen Salon und 1846 durch einen Zubau. In den 1880er-Jahren spielten dort Johann Schrammel, Strohmayer, Parnofsky und Dänzer auf, auch Ferdinand Sauter war beim Gschwandtner oft zu Gast. Nachdem 1877 der alte Saal demoliert worden war, trat ein Prachtbau an seine Stelle. Der Gschwandtner entwickelte sich zum Ball-, Volkssänger- und Konzertlokal; jeden Sonntag gab es ein Militärkonzert, aber auch namhafte Zivilkapellen wie Fahrbach, Messerschmidt-Grüner und Schipek traten auf. Bekannt waren die hier arrangierten Wäschermädelbälle, auch die Volkssängerin Luise Montag ist im Gschwandtner aufgetreten.

Der große basilikale Saal aus 1877 wurde 1887 und 1906 erweitert und zeigt an der Rückfront in der Geblergasse eine Rustikagliederung. Der westliche eingeschoßige Zubau, wohl aus 1894, beinhaltet den sogenannten Strauss-Lanner-Saal, den etwas später errichteten Schützensaal sowie den im Rahmen der Renovierung 2018 neu geschaffenen Haupteingang. Der Zugang von der Hernalser Hauptstraße erfolgt durch ein späthistoristisches Zinshaus aus dem Jahr 1894 mit einem repräsentativen Foyer und breitem Stiegenaufgang von 1883/1884. Der große basilikale Saal selbst ist ein dreischiffiger Rechtecksaal mit Holzsäulen mit Stuckummantelung, korinthischen Kapitellen und einem reich dekorierten Gebälk. Unter den Sälen befinden sich ausgedehnte gewölbte Kellereien mit einem umgebauten Presshaus aus dem 17. Jahrhundert, einem Restbestand eines ehemaligen Gutes des Domkapitels von St. Stephan.

Nach dem Ende des Gastronomiebetriebs 1960 diente das Haus unter anderem als Radiofabrik und Requisitenlager. Seit der Wiedereröffnung 2018 bietet das Zentrum auf 1.200 m² wieder Raum für Musik, bildende Kunst, Film und Literatur, mit Fokus auf zeitgenössische Kunstformen und experimentelle Musik – verteilt auf drei historische Veranstaltungssäle und ein flexibel bestuhlbares Kino.

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