Chronik
Die Wieden ist der 4. Wiener Bezirk. Er wurde 1850 geschaffen und umfasst heute das Gebiet der ehemaligen Vorstädte Wieden, Schaumburgergrund und kleine Teile von Hungelbrunn.
Durch die Provisorische Gemeindeordnung wurde Wien 1850 als einheitliche Ortsgemeinde konstituiert, indem die Innere Stadt und die Vorstädte zusammengeschlossen wurden. Das neu geschaffene Gemeindegebiet gliederte man in 8 Bezirke, wobei auf die Grenzen der ehemaligen Vorstädte keine Rücksicht genommen wurde.
Die Vorstädte Wieden, Margareten, Schaumburgergrund, Hungelbrunn, Matzleinsdorf, Laurenzergrund, Hundsturm, Reinprechtsdorf und Nikolsdorf wurden zum Bezirk Wieden vereint. Nach längeren Beratungen wurden mit Gemeinderatsbeschluss vom 8. Oktober 1861 Margareten, Matzleinsdorf, Laurenzergrund, Hundsturm, Nikolsdorf und Teile von Hungelbrunn vom Bezirk Wieden getrennt und als eigener Gemeindebezirk Margareten konstituiert. Dadurch stieg die Anzahl der Bezirke von acht auf neun. Beim Bezirk Wieden verblieben Wieden, Schaumburgergrund und kleine Teile von Hungelbrunn.
Der vierte und der fünfte Bezirk bilden siedlungsmäßig und landschaftlich eine Einheit, die von der Wientalfurche und dem flachen Nordhang des Wienerbergs bestimmt ist. Die Grenze zu Margareten bildete die Kettenbrückengasse, Kleine Neugasse, Mittersteig, Ziegelofengasse und die Blechturmgasse bis zum Linienwall, später die Gürtelstraße. Weiterhin reichte jedoch die Wieden in Richtung Favoriten über den Linienwall, seit 1873 Gürtelstraße, hinaus; erst in diesem Jahr wurden die südlich des Gürtels gelegenen Teile des dritten bis fünften Bezirks Bestandteile des neugegründeten zehnten Bezirks Favoriten. Heute weist der Bezirk eine Fläche von 1,78 Quadratkilometer auf.
Die Wieden gilt als die älteste Vorstadt Wiens. Eine Besiedlung ist seit 1137 gesichert, bestand aber wohl schon einige Zeit zuvor. Die Wiedner Hauptstraße ist bis heute die wichtigste Ausfallstraße nach dem Süden geblieben, ihre Anlage ist für die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts urkundlich gesichert. Die Vorstadt wurde während der Ersten Türkenbelagerung 1529 und der Zweiten Türkenbelagerung 1683 völlig zerstört. Danach blühte der adelige Palaisbau. 1697 wurde das Palais Czernin-Althan zwischen Favoritenstraße und Graf-Starhemberg-Gasse errichtet. 1705/06 ließ Gundacker Graf Starhemberg das spätere Palais Schönburg-Hartenstein erbauen. Die wiedererrichtete Favorita wurde 1783 den Jesuiten übergeben und Standort des „Collegium Theresianum“. Aber nicht nur der Adel entdeckte die Wieden als Wohnort. Bis 1769 entstand auch mit dem Freihaus auf der Wieden das größte Privathaus Wiens. Im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem rasanten Siedlungs- und Bevölkerungswachstum.

