Chronik
Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte sich der Bezirk als typisch bürgerlich, mit zahlreichen Botschaften, Bildungs- und Kulturinstitutionen. Im Jahr 1850 wurde die Elisabethbrücke an Stelle der alten steinernen Brücke errichtet. Auf Grund der Einwölbung des Wienflusses wurde sie 1897 wieder abgebrochen. Am 30. Mai 1873 fuhren die ersten Pferdetramways durch den Bezirk. Am 9. Jänner 1913 fuhr zum ersten Mal eine Garnitur der Straßenbahnlinie 13 zum Südbahnhof. Das 1908 erbaute Johann-Strauß-Theater setzte die Theatertradition des Bezirks fort.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs blieb zwar die Bevölkerungsstruktur erhalten, doch zeitigten die Vermögensverluste infolge des Ersten Weltkrieges ihre Wirkung. In die Adelspalais zogen zum Teil Kriegsgewinner wie der Spekulant Camillo Castiglioni. Auf dem Gebiet des ehemaligen Freihauses, welches bereits zum Großteil abgerissen worden war, wurden entlang der Wiedner Hauptstraße Verkaufshallen einschließlich eines „Kärntnertor Automaten Buffet“, einem Rundbau errichtet und erst in den 1950er Jahren abgetragen. Mit der Ansiedlung der RAVAG in der Argentinierstraße zog das Rundfunkzeitalter ein. Der Bezirk war während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg mehreren Wellen ausgesetzt. Am 17. Oktober und 6. November 1944 wurde die Karlskirche schwer beschädigt und der rechte Flügel des Belvedere wurde durch einen Volltreffer zerstört.
Nach dem Ende der Besatzungszeit kam es zu einer raschen Neuaufwertung des in der sowjetischen Zone gelegenen Bezirks, der bis in die Gegenwart zu den gehobenen bürgerlichen Bezirken Wiens mit überdurchschnittlicher Kaufkraft seiner Bewohner zählt. Die Gründung der Diplomatischen Akademie im Jahr 1964, der Bau des Neuen Institutsgebäudes der Technischen Universität und deren Bibliothek im Jahr 1980 verstärkten den Universitätsstandort, ebenso wie jene von Theatern den Kulturbezirk Wieden. Ab 1976 wurde die Fußgängerzone rund um die Elisabethkirche eingerichtet. Am 25. Februar 1978 fuhr der erste Zug der U1 durch den Bezirk. Die U-Bahn verbesserte die Anbindung an die Innere Stadt und Favoriten erheblich.

