Chronik

Nicht nur bei Gewerbe, Industrie und Arbeiterbewegung spielte Mariahilf eine führende Rolle: Ende des 19. Jahrhunderts war es auch der wichtigste Geschäftsbezirk, und die Mariahilfer Straße war die bedeutendste Geschäftsstraße Wiens, an der sich die größten Konfektions- und Warenhäuser etablierten – allerdings auf der Seite des 7. Bezirkes. Für Mariahilf waren und sind hingegen Klein- und Mittelbetriebe typisch. Die meisten Betriebe beschäftigen nicht mehr als vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sind in den Seitengassen und Hinterhöfen angesiedelt. Außerdem war in Mariahilf sogar eine kleine Automobilfirma beheimatet.

Der Bezirk entwickelte sich entlang der Poststraße nach Linz, der Mariahilfer Straße. Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts war der Bezirk fast zur Gänze dicht verbaut. Es dominierte eine niedrige biedermeierliche Verbauung mit niederer Baustruktur und den charakteristischen Stutzflügelhäusern. Besonders der stadtnahe, zur Ringstraße gerichtete Teil erfuhr in der Gründerzeit eine Neuverbauung, während in Gumpendorf der vormärzliche Charakter erhalten blieb. Ein charakteristisches Element der Verbauung bilden die zahlreichen Durchhäuser, nicht zuletzt auch aufgrund ihrer gewerblichen Nutzung.

Mit dem 1801 eröffneten, neu erbauten Theater an der Wien beginnt die Theatergeschichte des Bezirks. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgte das Raimundtheater. Das Haydnhaus und das Raimund-Geburtshaus erinnern an zwei prominente mit dem Bezirk verbundene Künstler. 1904 wurde das Apollotheater eröffnet. Mit dem Post- und Telegrafenamt in der Gumpendorfer Straße 70 (1874) und dem neuen Amtshaus in der Amerlingstraße 11 entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wichtige öffentliche Gebäude. Im Jahr 1887 wurde das Haydndenkmal aufgestellt.

Die erste Zentralberufsschule, die Mollardschule, entstand 1909, mehrere Institute der Technischen Universität siedelten sich im Bezirk an. 1929 wurde das Apollokino eröffnet, 1951 das Mariahilfer Heimatmuseum, 1983 übersiedelte das Bezirksmuseum Mariahilf in die Mollardgasse. Das im Flakturm im Esterházypark untergebrachte „Haus des Meeres" und Otto-Wagner-Häuser zählen zu weiteren bemerkenswerten Gebäuden. Das Institut für Höhere Studien – Ford-Institut siedelte sich in der Stumpergasse 56 an.

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