Chronik

Die Josefstadt ist mit einer Fläche von rund 1,08 km² Wiens kleinster Bezirk. Er erstreckt sich zwischen Alser Straße, Landesgerichtsstraße, Auerspergstraße, Lerchenfelder Straße sowie Lerchenfelder- bzw. Hernalser Gürtel. Etwa 25.500 Menschen wohnen heute auf dem Gebiet der ehemaligen Vorstädte St. Ulrich und Alsergrund, die bereits im Mittelalter entstanden. Außerdem zählen die Bezirksteile Josefstadt (vormals Rottenhof), Altlerchenfeld (entstanden ab etwa 1700), Strozzigrund (entstand 1746) und als jüngste Vorstadt Breitenfeld (ab 1802).

Grundherren dieser ehemaligen Vorstädte waren adelige und bürgerliche Familien, aber auch Ordensgemeinschaften. Die Stadt Wien, später „Magistrat", erwarb 1657 die Grundherrschaft am Alsergrund, 1700 in der Josefstadt, 1746 am Strozzigrund sowie 1786 und 1810 in Altlerchenfeld. St. Ulrich und Breitenfeld unterstanden bis zur Auflösung der Grundherrschaften 1849 dem Schottenstift. Ab 1850 begann die Stadt Wien mit der administrativen Gebietseinteilung, 1861 wurde die Josefstadt zum 8. Wiener Gemeindebezirk. Kirchlich gehörte das Gebiet ursprünglich zur Pfarre St. Michael, ab 1589 zur Pfarre St. Ulrich, die dem Schottenstift unterstand, sowie seit 1719 zur Piaristenpfarre Maria Treu; 1783 entstanden die Minoritenpfarre an der Alserkirche und die Pfarre Altlerchenfeld, die Pfarre Breitenfeld besteht seit 1898.

Die Verbauung des heutigen Bezirksgebietes auf breiter Basis begann erst im 18. Jahrhundert: Zwischen kleinen, meist von Handwerkern bewohnten Häusern entstanden Sommerpaläste und Gärten von Adelsfamilien sowie ausgedehnte Besitzungen von Bürgern und Gewerbetreibenden. Ab etwa 1770/80 wurden infolge des Bevölkerungswachstums, der Bauspekulation und der Änderung der adeligen Lebensformen die großen Grundstücke parzelliert, Häuser mit mindestens zwei Stockwerken sowie die Josefstädter Kavalleriekaserne entstanden. Eine weitere Verbauungswelle mit Großwohnungen setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein; mit der Auflassung des Glacis 1857 bzw. 1870 sowie des Linienwalls 1894 erhielt die Josefstadt eine Anbindung an die Innere Stadt und die Vororte. Nach dem Abbruch der Kavalleriekaserne 1903-1910 entstand das Viertel rund um den Hamerlingplatz. Von der einstigen Adelspracht zeugen noch heute die Palais Auersperg, Damian, Schönborn (heute Österreichisches Museum für Volkskunde) und Strozzi (heute Institut für Höhere Studien).

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